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Der Untergang des Abendlandes ArtikelDer Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte ist das kulturphilosophische Hauptwerk von Oswald Spengler mit dem er das moderne Bild der Geschichte nachhaltig beeinflusst hat. Der erste Band (Gestalt und Wirklichkeit ) wurde 1918 in Wien herausgegeben, der zweite Band (Welthistorische Perspektiven) 1922 in München.
Spenglers Behandlungen in dem Rahmen seiner Dissertation ("Der metaphysische Grundgedanke der Heraklitischen Philosophie") ließen ihn "Analogien" in der Entwicklung der antiken bzw. der abendländischen Kultur sehen. Daraus - und in Verbindung mit einer eigenen Philosophie - entwickelte er ein System, mit dem er die gesamte Kulturgeschichte zu erklären (und die künftige Entwicklung vorherzusagen) suchte. Vorbilder waren insbesondere Goethes Morphologie und Nietzsches Auffassung von Geist und Seele. Aber auch die Krisenzeit vor dem Ersten Weltkrieg weckt in ihm die Einsicht, dass die (=seine) Gegenwart nicht eine Stufe auf dem Weg zu einem stets perfekteren Zustand sei, sondern die dahinsiechende Spätform unserer Kultur.
Mit dem Untertitel des Buches wird die von Spengler zugrunde gelegte These deutlicher zusammengefasst als durch den beunruhigenden Haupttitel: Weltgeschichte als zyklisches Werden und Vergehen von Kulturen und Zivilisationen, unabhängig und isoliert voneinander, folglich ohne Möglichkeit des kulturellen Austauschs – womit Spengler in dem Widerspruch zur linearen Geschichtstheorie und dem daraus abgeleiteten stetig zunehmenden Entwicklungsstand der Menschheit steht.
Der Haupttitel hingegen verweist mehr auf einen griffigen und publikumswirksamen Teilaspekt des Themas, der sich aus der Morphologie der Weltgeschichte notwendig ergebenden Zukunft des eigenen kulturellen und zivilisatorischen Umfelds. Angeregt zum Titel wurde Spengler bereits 1912 durch Otto Seecks Buch Geschichte des Untergangs der antiken Welt, 1895ff.
Buch-Tipp: Der China-Knigge. Eine Gebrauchsanweisung für das Reich der Mitte Wissen kompakt und sehr unterhaltsam Von diesem Buch war ich vollauf begeistert! Die Autoren, ein deutsch-chinesisches Ehepaar, informieren auf sehr kurzweilige Weise über das heutige China. Der Leser erfährt alles über Sitten und Gebräuche in dem Land, über die Mentalität der Chinesen, über die verschiedensten Lebensverhältnisse usw. usf.
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Spenglers These ergibt sich aus seinen philosophischen Grundlagen: Es gebe einen wesenhaften Unterschied zwischen der Welt des Raumes und der der Zeit. Es gebe eine Logik des Raumes (Stichwort: Geist), ihr Prinzip sei die Kausalität, ihr Sachgebiet die Naturwissenschaft. Daneben gebe es eine - organische - Logik der Zeit, des Schicksals (Stichwort: Seele). Ca. letztere lasse die Welt als Geschichte begreifen. Anstelle einer monoton-linearen Entwicklung sah Spengler "eine Vielzahl mächtiger Kulturen", von denen jede ihre Daseinsberechtigung habe und daher wie ein Individuum zu betrachten sei ("Der beste Menschenkenner Westeuropas irrt sich, wenn er einen Araber oder Japaner zu verstehen sucht, und umgekehrt, da zwischen den Seelen zweier Kulturen eine undurchdringliche Scheidewand liegt."). Der Einteilung in Antike-Mittelalter-Neuzeit liege das arrogante Vorurteil zugrunde, das westliche Europa sei die "Zentralsonne", von der aus alles erleuchtet und verstehbar werde. In dem Gegensatz dazu postulierte Spengler "ein System des Relativismus" ähnlich der Wende vom ptolemäischen zu dem kopernikanischen Weltbild.
Geschichte sei somit kein fortlaufender Prozess, sondern eine Abfolge unabhängiger Kulturen. Jede Kultur habe gleichen Rang und gleiche Lebensdauer und sei von einer eigenen Seele geprägt, die in ihrer geistigen Haltung und in dem Stil zu dem Ausdruck komme. Jede Kultur sei ein Organismus für sich, ein beseeltes "Lebewesen höchsten Ranges", das den bei allen ausgebildeteren Organismen vorhandenen Entwicklungsstufen Jugend, Erwachsensein und Alter, oder Blüte, Reife und Verfall unterliege (Morphologie), ein Ablauf, der bei den kulturellen Organismen ebenso zwangsläufig sei wie bei den biologischen, und aus dem es somit kein Entrinnen geben kann (Determinismus).
Die aus der Biologie ausgeliehenen Begriffe übersetzt Spengler für seine Zwecke mit
- Frühzeit als die Zeit des Aufbruchs aus dem Chaos der Vorzeit mit der Gestaltung einer jeder Kultur spezifisch eigenen Religion und Formensprache
- Kultur als die Hochzeit der schöpferischen Fähigkeiten, und
- Zivilisation als die Zeit des Erlöschens dieser Kreativität einerseits, andererseits aber auch als die Zeit großer politischer (Cäsarismus ) und militärischer Machtentfaltung (Imperialismus), von deren Kraft allein das Hinausschieben des Endes abhänge; die Endzeit des Cäsarismus wiederum sei gekennzeichnet durch ein Absinken des Massen in das Primitive (Fellachen ) und die Flucht der Menschen in eine zweite Religiosität.
Dieser stets wieder grundsätzlich gleiche Ablauf (Homologie) lässt es nach Spengler zu, strukturell gleichzeitige Phasen verschiedener Kulturen zu definieren und nebeneinander zu stellen – so zu dem Beispiel seine abendländische Gegenwart oder jüngere Vergangenheit von Napoleon bis zu dem Ende der Wilhelminische Epoche und dem Ersten Weltkrieg, im der erste Teil des Werks entstand, gegenüber der Spätzeit der griechisch-römischen Antike nach Alexanders Eroberungszügen bis zu dem Aufkommen des Cäsarismus auf der anderen Seite: ein Vergleich, bei dem sich die Zukunft der abendländischen Kultur – Niedergang, Verfall, Erlöschen – von Anfang an suggestiv aufdrängt.
Nach Spengler gab es bislang acht Kulturen:
- die ägyptische (einschließlich der kretisch -minoischen),
- die babylonische ,
- die indische ,
- die chinesische ,
- die antike (apollinisch genannte griechisch -römische ),
- die arabische (magische, inklusive der frühchristlichen und byzantinischen , die ihre Frühzeit unter dem umgestürzten Baum der antiken Kultur verbringen musste, und daher eine Pseudomorphose erlebt, eine Truggestalt annimmt, die irgendwann bewusst abgeworfen wird – in diesem Fall durch die Araber),
- die abendländische (faustische, seit etwa 900, die derzeitins Stadium der Zivilisation übergeht) und
- die mexikanische, die von den Conquistadoren brutal geköpft worden sei
sowie mit der russischen eine weitere, in dem Entstehen begriffene, die das gleiche Problem mit seiner Entfaltung habe wie die arabische, sich aber bereits mit der petrinischen Phase ihrer Geschichte, also mit Peter dem Großen von der Überlagerung durch die abendländische Kultur befreit habe.
Am Ende der determinierten Entwicklung stehe unweigerlich der Verfall: der Übergang von der kreativen Kultur zur "greisenhaften" Zivilisation - während anderswo sich die Geburt einer neuen Kultur (z.B. die russische) vorbereite. Auf Grund seiner Behandlung der vergangenen sieben Kulturen und der Analyse bestimmter Abläufe in allen Kulturen kam Spengler zu der Überzeugung, dass die abendländische Kultur ihre letzte Stufe erreicht haben müsse. Sie habe bereits den Zenit ihrer geistig-seelischen Leistungsfähigkeit überschritten und gehe unweigerlich ihrem Untergang entgegen.
Daher wird Spengler allenthalben als "Kulturpessimist" genannt. Dabei wird übersehen, dass er sehr wohl ein Interesse hatte, seine Zeitgenossen zu "zeitgemäßem" Handeln zu motivieren: Es gelte zu erkennen, "welche Aufgaben wir aufgrund unserer gealterten Kulturseele nicht (mehr) lösen können, um uns mit ganzer Kraft den [neuen] Aufgaben zuzuwenden, die wir zu bewältigen imstande sind."
Spenglers Hauptwerk stieß sowohl auf begeisterte Zustimmung wie auch auf schroffe Ablehnung. Karl Popper hat seine Schrift "Das Elend des Historizismus" gegen Spengler (und Marx) geschrieben, gegen die Annahme, es gäbe unabänderliche historische Gesetzmäßigkeiten. Auf Grund der eigenwilligen Philosophie, in die er alle seine Überlegungen einbettet, sind viele seiner Schlussfolgerungen schwer nachzuvollziehen. Schwer verdaulich wird der Untergang auch durch sein unentwegtes Einprügeln auf die zeitgenössischen "Fachleute" - die dies auch prompt mit konsequenter Ablehnung quittiert haben. Auch seine konsequente Ablehnung (siehe jedoch weiter unten) jeder Art von Fortschrittsglaube bzw. Evolution missfällt noch heute weiten Kreisen.
Robert Musil bekannte am Ende einer vernichtenden Kritik, Andere hätten ca. darum nicht so viele Fehler gemacht, weil sie nicht die beide Ufer berührende Spannweite besäßen, um so viele (Fehler) darauf unterzubringen.
Großen Einfluss hatte Spengler mit seinen Ideen auf Arnold J. Toynbee und – mit einem wesentlich kritischeren Abstand – P. A. Sorokin, während Spengler selbst, wie aus seinem Nachlass ersichtlich, in den letzten Lebensjahren seinen Ansatz soweit überdachte, dass er in seinen Schlussfolgerungen gemäßigter wurde, das (unhaltbare) Leugnen kultureller Kommunikation zwischen den Kulturen aufgab und damit eine Entwicklung der Menschheit als Ganzes, für die er nun ein vierstufiges Konzept von Mutation und Differentiation sah, akzeptierte.
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Der erste Band des Werkes wurde 1917 fertiggestellt und sollte dem Absicht dienen, dem Deutschen Reich nachdem Sieg in dem Weltkrieg den Weg in eine große imperiale und imperialistische Zukunft zu zeigen. Aber auch nach der Niederlage noch sieht Spengler in Preußen den Staat, der den Vergleich mit dem Römischen Kaiserreich aushält, wenn es deshalb geht, die (in diesem Fall abendländische) Kultur nach ihrem Übergang in die Zivilisation in einem Imperium zusammenzuhalten – ein Irrtum, der nicht überraschen kann, angesichts eines preußisch-konservativen Hintergrunds, der im Dreiklang Pflicht, Ordnung, Gerechtigkeit Spenglers Beifall findet, und der in völligem Gegensatz zu dem liberal-parlamentarischen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit steht, den Spengler zeitlebens abgelehnt hat.
Knapp Hundert Jahre nachdem Beginn der Arbeiten an diesem Buch stellt sich die Frage nach der Zukunft der abendländischen Kultur in einem anderen Rahmen. Wenn man Spenglers Ansatz folgen will, kann die Frage, wer in der Lage ist, die abendländische Zivilisation mit einem imperialistischen Ansatz zusammenzuhalten, als beantwortet gelten.
Der nächste Schritt in der von Spengler prognostizierten Entwicklung ist die Herausbildung einer für diese Zivilisation spezifischen Art des Cäsarismus, die sich nach seiner Beschreibung stets dann ankündigt, wenn bei der Auswahl der politischen Führung nicht mehr Programme und Inhalte, sondern ca. noch Personen, ihr Charisma und die Wirkung ihrer öffentlichen Auftritte zählen.
Im Grunde genommen ist Spenglers "Geschichtsphilosophie" ebensowenig ein streng wissenschaftliches Werk wie die Farbenlehre Goethes, sondern behandelt eine Metaphysik, die sich ca. dem "Gläubigen" erschließt. Der Untergang passt in seine Zeit, da er nichts anderes als eine "Relativitätstheorie" der Geschichtsbetrachtung darstellt - nahezu gleichzeitig entstanden mit derjenigen Einsteins. Nichts Anderes hatte - auf seine verklausulierte Art und Weise - Spengler vorhergesagt.
Buch-Tipp: Der Untergang des Abendlandes (Albatros) Fels in der Brandung "Das ist der Untergang des Abendlandes" pflegte meine Oma zu sagen, wenn in dem Fernsehen Berichte über die "Achtundsechziger" - die heutige Politikergeneration - erschienen. Der Titel von Spenglers Buch ist zu einem geflügelten Wort geworden, das den Bekanntheitsgrad seines Werkes bei weitem übertrifft. Schade eigentlich, dass... |
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Bei den folgenden Angaben handelt es sich inhaltlich um Zitate aus dem Buch
Buch-Tipp: Der Untergang des Abendlandes. (7449 860). Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte. Fels in der Brandung "Das ist der Untergang des Abendlandes" pflegte meine Oma zu sagen, wenn in dem Fernsehen Berichte über die "Achtundsechziger" - die heutige Politikergeneration - erschienen. Der Titel von Spenglers Buch ist zu einem geflügelten Wort geworden, das den Bekanntheitsgrad seines Werkes bei weitem übertrifft. Schade eigentlich, dass... |
I. Gleichzeitige Geistesepochen |
- Indische Kultur seit 1500 v. Chr.:
- Antike Kultur seit 1100 v. Chr.:
- Arabische Kultur seit Christus:
- Abendländische Kultur seit 900:Frühling: Landschaftlich-intuitiv. Mächtige Schöpfungen einer erwachenden traumschweren Seele. Überpersönliche Einheit und Fülle1. Geburt eines Mythos großen Stils als Ausdruck eines neuen Gottgefühls. Weltangst und Weltsehnsucht
- Indische Kultur: 1500 - 1200 v. Chr.; Religion des Veda; Arische Heldensagen.
- Antike Kultur: 1100 - 800 v. Chr.; hellenisch-italische demetrische Volksreligion , olympischer Mythos; Homer, Herakles-, Theseussage.
- Arabische Kultur: 0- 300; Urchristentum, Mandäer, Marcion, Gnosis, Synkretismus (Mithras, Baale); Evangelien, Apokalyptik, christliche, mazdäische, heidnischen Legenden.
- Abendländische Kultur: 900- 1200; Germanischer Katholizismus, Edda (Balder), Bernhard von Clairvaux, Joachim von Fiore, Franz von Assisi; Volksepos (Siegfried), Ritterepos (Gral), abendländische Heiligenlegende.2. Früheste mystisch-metaphysische Gestaltung des neuen Weltblicks. Hochscholastik
- Indische Kultur: In den ältesten Teilen der Veden enthalten.
- Antike Kultur: älteste, nicht schriftliche Orphik, etruskische Disziplin, Nachwirkung: Hesiod, Kosmogonien.
- Arabische Kultur: Origenes († 254), Plotin († 269), Mani († 276), Jamblich († 330); Awest , Talmud, Patristik.
- Abendländische Kultur: Thomas von Aquin († 1274), Johannes Duns Scotus († 1308), Dante Alighieri († 1321), Meister Eckhart († 1329); Mystik und Scholastik.Sommer: Reifende Bewusstheit. Früheste städtisch-bürgerliche und kritische Regungen3. Reformation: Innerhalb der Religion volksmäßige Auflehnung gegen die großen Formen der Frühzeit
- Indische Kultur: Brahmanas , älteste Elemente der Upanishaden (10./9. Jahrhundert v. Chr.).
- Antike Kultur: Orphische Bewegung, Dionysosreligion, Religion des Numa (7. Jahrhundert v. Chr.).
- Arabische Kultur: Augustinus von Hippo († 430), Nestorianer (um 430), Monophysiten (um 450), Mazdak (um 500).
- Abendländische Kultur: Nikolaus von Kues (Cusanus) († 1464), Jan Hus († 1415), Girolamo Savonarola, Andreas Bodenstein (Karlstadt), Luther, Calvin († 1564).4. Beginn einer rein philosophischen Fassung des Weltgefühls. Gegensatz idealistischer und realistischer Systeme
- Indische Kultur: Verschollen
- Antike Kultur: Die Zahl als Größe (Maß), Geometrie, Arithmetik, Pythagoräer seit 540 v. Chr..
- Arabische Kultur: Die unbestimmte Zahl, Algebra (Entwicklung unerforscht).
- Abendländische Kultur: Die Zahl als Funktion, Analysis, Descartes, Blaise Pascal, Pierre de Fermat um 1630, Isaac Newton, Leibniz um 1670.6. Puritanismus: Rationalistisch-mystische Verarmung des Religiösen
- Indische Kultur: Spuren in den Upanishaden.
- Antike Kultur: Pythagoräischer Bund seit 540 v. Chr..
- Arabische Kultur: Mohammed (622), Paulikianer , Bilderstürmer seit 650.
- Abendländische Kultur: Englische Puritaner seit 1620, Französische Jansenisten seit 1640 (Port Royal ).Herbst: Großstädtische Intelligenz. Höhepunkt strenggeistiger Gestaltungskraft7. Aufklärung: Glaube an die Allmacht des Verstandes. Kultus der Natur. Vernünftige Religion
- Indische Kultur: Sutras , Sankhya, Buddha, jüngere Upanishaden.
- Antike Kultur: Sophisten des 5. Jahrhunderts v. Chr., Sokrates († 399 v. Chr.), Demokrit († um 360 v. Chr.).
- Arabische Kultur: Mutaziliten , Sufismus, Nazzam , Al-Kindi (um 830).
- Abendländische Kultur: Englische Sensualisten (John Locke), Französische Enzyklopädisten (Voltaire), Jean-Jacques Rousseau.8. Höhepunkt des mathematischen Denkens. Abklärung der Formenwelt der Zahlen
- Indische Kultur: Vedanta, Vaiçeshika , Nyaya
- Antike Kultur: Plato († 346 v. Chr.), Aristoteles († 322 v. Chr.)
- Arabische Kultur: Al-Farabi († 950), Avicenna († um 1000)
- Abendländische Kultur: Johann Wolfgang von Goethe, Immanuel Kant, Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Johann Gottlieb FichteWinter: Anbruch des weltstädtischen Zivilisation. Erlöschen der seelischen Gestaltungskraft. Das Leben selbst wird problematisch. Ethisch-praktische Tendenzen eines irreligiösen und unmetaphysischen Weltstädtertums10. Materialistische Weltanschauung: Kultus der Wissenschaft, des Nutzens, des Glücks
- Indische Kultur: Sankhya, Tscharvaka (Lokoyata ).
- Antike Kultur: Kyniker, Kyrenaiker , letzte Sophisten (Pyrrhon von Elis)
- Arabische Kultur: Kommunistische, atheistische, epikureische Sekten der Abbasidenzeit, die lauteren Brüder
- Abendländische Kultur: Jeremy Bentham, Auguste Comte, Charles Darwin, Herbert Spencer, Max Stirner, Karl Marx, Ludwig Andreas Feuerbach11. Ethisch-gesellschaftliche Lebensideale: Epoche der Philosophie ohne Mathematik. Skepsis
- Indische Kultur: Die sechs klassischen Systeme
- Antike Kultur: Akademie, Peripatos , Stoiker, Epikureer
- Arabische Kultur: Schulen von Bagdad und Basra
- Abendländische Kultur: Kantianer, Logiker und Psychologen14. Ausbreitung einer letzten Weltstimmung
- Indische Kultur: Der indische Buddhismus seit 500
- Antike Kultur: Der hellenistisch-römische Stoizismus seit 200
- Arabische Kultur: Der praktische Fatalismus des Islam seit 1000
- Abendländische Kultur: Der ethische Sozialismus seit 1900 sich verbreitend
===II. Gleichzeitige Kunstepochen===Vorzeit: Chaos urmenschlicher Ausdrucksformen. Mystische Symbolik und naive Imitation
- Ägyptische Kultur: Thinitenzeit , 2830 v. Chr. – 2600 v. Chr., Anregung: sumerisch (vorderasiatisch).
- Antike Kultur: Mykenische Zeit, 1600 v. Chr. – 1100 v. Chr., Anregung: spätägyptisch (minoisch), spätbabylonisch (kleinasiatisch).
- Arabische Kultur: Persisch-seleukidische Zeit, 500 v. Chr. - 0, Anregung: spätantik (hellenistisch), spätindisch (indo-iranisch?).
- Abendländische Kultur: Merowingisch-karolingische Zeit, 500 – 900, Anregung: „spätarabisch“ (maurisch-byzantinisch).Kultur: Lebensgeschichte eines das gesamte äußere Sein formenden Stils. Formensprache von tiefster symbolischer NotwendigkeitI. Frühzeit: Ornament und Architektur als elementarer Ausdruck des jungen Weltgefühls: „Die Primitiven“
- Ägyptische Kultur: Das alte Reich, 2600 – 2200 v. Chr..
- Antike Kultur: Dorik , 1100 – 650 v. Chr..
- Arabische Kultur: Früharabische Formenwelt (sassanidisch, byzantinisch, armenisch, syrisch, sabäisch, „spätantik“, „altchristlich“), 0- 500.
- Abendländische Kultur: Gotik, 900- 1500.1. Geburt und Aufschwung. Aus dem Geiste der Landschaft erwachsende, nicht bewusst geschaffene Formen
- Ägyptische Kultur: 4./5. Dynastie, 2550 v. Chr. - 2320 v. Chr., geometrischer Tempelstil, Pyramidentempel, Reihen von Pflanzensäulen, Reihen von Flachreliefs , Grabstatuen.
- Antike Kultur: 11./9. Jahrhundert v. Chr., Holzarchitektur, die dorische Säule, Architrav, geometrischer (Dipylon -)Stil, Grabvasen.
- Arabische Kultur: 1./3. Jahrhundert, kultische Innenräume, Basilika, Kuppelbau (das Pantheon als Moschee), Säulenbögen, flächenfüllende Rankenmuster, Sarkophage.
- Abendländische Kultur: 11./13. Jahrhundert, Romanik und Frühgotik, gewölbte Dome, Strebesystem , Glasmalerei, Kathedralplastik.2. Vollendung der frühen Formensprache. Erschöpfung der Möglichkeiten und Widerspruch
- Ägyptische Kultur: 6. Dynastie, 2320 v. Chr. - 2200 v. Chr., Erlöschen des Pyramiden- und episch-idyllischen Reliefstils, Blüte der archaischen Bildnisplastik..
- Antike Kultur: 8./7. Jahrhundert v. Chr., Ausgang des hocharchaischen dorisch-etruskischen Stils, Protokorinthische-altattische (mythologische) Tonmalerei..
- Arabische Kultur: 4./5. Jahrhundert, Ausgang der bildhaften persisch -syrisch -koptischen Künste, Aufstieg der Mosaikmalerei und Arabeske.
- Abendländische Kultur: 14./15. Jahrhundert, Spätgotik und Renaissance. Blüte und Ende von Fresko und Statue: von Giotto (Gotik) bis Michelangelo (Barock). Siena, Nürnberg. Das gotische Tafelbild von Jan van Eyck bis Hans Holbein. Kontrapunkt und Ölmalerei.II. Spätzeit: Bildung einer Gruppe städtisch-bewusster, gewählter, von Einzelnen getragener Künste: „Die großen Meister“3. Ausbildung eines reifen Künstlertums
- Ägyptische Kultur: 11. Dynastie: 2130 v. Chr.- 1990 v. Chr., zarte und bedeutende, fast spurlos verschwundene Kunst.
- Antike Kultur: Vollendung des Tempelkörpers (Peripteros, Steinbau), die ionische Säule, Herrschaft der Freskomalerei bis Polygnot (460), Aufstieg der freien Rundplastik („Apoll von Tenea “ bis Hageladas ).
- Arabische Kultur: Vollendung des Moscheeraumes (Zentralkuppelbau, Hagia Sophia), Blüte der Mosaikmalerei, Vollendung des teppichhaften Arabeskenstils (Mschatta-Fassade ).
- Abendländische Kultur: Der malerische Baustil von Michaelangelo bis Gian Lorenzo Bernini († 1680), Herrschaft der Ölmalerei von Tizian bis Rembrandt van Rijn († 1669), Aufstieg der Musik von Orlando di Lasso bis Heinrich Schütz († 1672).4. Äußerste Vollendung einer durchgeistigten Formensprache
- Ägyptische Kultur: 12. Dynastie: 1990 v. Chr. – 1790 v. Chr., Pylonentempel , Labyrinth, Charakterstatuen, historische Reliefs.
- Antike Kultur: Blüte von Athen 480 v. Chr. - 350 v. Chr., die Akropolis, Herrschaft der klassischen Plastik von Myron bis Phidias, Ausgang der strengen Fresko- und Tonmalerei (Zeuxis).
- Arabische Kultur: Umayyadenzeit 7./8. Jahrhundert, vollkommener Sieg der bildlosen Arabeskenkunst auch über die Architektur.
- Abendländische Kultur: Rokoko, der musikalische Baustil, Herrschaft der klassischen Musik von Johann Sebastian Bach bis Wolfgang Amadeus Mozart, Ausgang der klassischen Ölmalerei von Antoine Watteau bis Francisco de Goya.5. Ermatten der strengen Gestaltungskraft. Auflösung der großen Form. Ende des Stils „Klassizismus und Romantik“
- Ägyptische Kultur: Die Wirren um 1700 v. Chr., nichts erhalten.
- Antike Kultur: Alexanderzeit, die korinthische Säule, Lysipp und Apelles.
- Arabische Kultur: Harun al-Raschid (um 800), „Maurische Kunst“.
- Abendländische Kultur: Empire und Biedermeier, klassizistischer Baugeschmack, Ludwig van Beethoven, Eugène Delacroix.Zivilisation: Das Dasein ohne innere Form. Weltstadtkunst als Gewohnheit, Luxus, Sport, Nervenreiz. Schnellwechselnde Stilmoden (Wiederbelebungen, willkürliche Erfindungen, Entlehnungen) ohne symbolischen Gehalt1. „Moderne Kunst“. Kunst-„Probleme“. Versuche, das Weltstadtbewusstsein zu gestalten und zu reizen. Verwandlung von Musik, Baukunst und Malerei in bloßes Kunstgewerbe*Ägyptische Kultur: Hyksoszeit 1675 v. Chr.- 1550 v. Chr.. Ca. auf Kreta erhalten: minoische Kunst.
- Antike Kultur: Hellenismus, pergamenische Kunst (Theatralik ), hellenistische Malweisen (veristisch, bizarr, subjektiv), Prunkarchitektur der Diadochenstädte.
- Arabische Kultur: Sultansdynastien 9./10. Jahrhundert, spanisch-sizilische Kunstblüte, Samarra.
- Abendländische Kultur: 19./20. Jahrhundert, Franz Liszt, Hector Berlioz, Richard Wagner, Impressionismus von John Constable bis Wilhelm Leibl und Édouard Manet, amerikanische Archiktektur .2. Ende der Formentwicklung überhaupt. Sinnlose, leere, erkünstelte, gehäufte Architektur und Ornamentik. Nachahmung archaischer und exotischer Motive
- Ägyptische Kultur: 19. Dynastie 1328 v. Chr. – 1195 v. Chr., Riesenbauten von Luxor, Karnak und Abydos, Kleinkunst (Tierplastik, Gewebe, Waffen).
- Antike Kultur: Von Trajan bis Aurelian, Riesenfora, Thermen, Säulenstraßen, Triumphsäulen, römische Provinzkunst (Keramik, Statuen, Waffen).
- Arabische Kultur: Mongolenzeit seit 1250, Riesenbauten zu dem Beispiel in Indien, Orientalisches Kunstgewerbe (Teppiche, Waffen, Geräte).
- Abendländische Kultur.
===III. Gleichzeitige politische Epochen===Vorzeit: Primitiver Völkertypus. Stämme und Häuptlinge. Noch keine „Politik“. Kein „Staat“
- Ägyptische Kultur: 12. Dynastie (1990 v. Chr. – 1790 v. Chr.): strengste Zentralgewalt, Hof- und Geldadel, Amenemhet , Sesostris .
- Antike Kultur: Die reine Polis (Absolutismus des Demos). Politik der Agora, Entstehung des Tribunats, Themistokles, Perikles.
- Chinesische Kultur: Periode Tschun-tsiu („Frühling und Herbst“) 590 v. Chr. – 480 v. Chr.. Sieben Großmächte. Vollendete vornehme Form (li).
- Abendländische Kultur: Ancien régime, Rokoko, Hofadel (Versailles) und Kabinettspolitik. Habsburger und Bourbonen. Ludwig XIV., Friedrich der Große.5. Sprengung der Staatsform (Revolution und Napoleonismus). Sieg der Stadt über das Land (des „Volkes“ über die Privilegierten, der Intelligenz über die Tradition, des Geldes über die Politik)
- Ägyptische Kultur: 1790 v. Chr. – 1675 v. Chr.. Revolutionen und Militärregiment. Zerfall des Reiches. Kleine Gewalthaber, zu dem Teil aus dem Volk stammend.
- Antike Kultur: 4. Jahrhundert v. Chr., soziale Revolutionen und zweite Tyrannis (Dionysos I. , Jason von Pherä , der Zensor Appius Claudius Caecus, Alexander der Große).
- Chinesische Kultur: 480 v. Chr. Beginn der Periode Tschankuo . 441 Untergang der Dschoudynastie. Revolutionen und Vernichtungskriege.
- Abendländische Kultur: Ende des 18. Jahrhunderts. Revolutionen in Amerika und Frankreich (George Washington, George Fox , Gabriel de Riqueti, comte de Mirabeau, Maximilien de Robespierre, Napoleon).Zivilisation: Auflösung der jetzt wesentlich großstädtisch veranlagten Volkskörper zu formlosen Massen. Weltstadt und Provinz: Der Vierte Stand (Masse), anorganisch, kosmopolitisch1. Herrschaft des Geldes (der „Demokratie“). Wirtschaftsmächte die politischen Formen und Gewalten durchdringend.
Buch-Tipp: Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte. (sachbuch). Fels in der Brandung "Das ist der Untergang des Abendlandes" pflegte meine Oma zu sagen, wenn in dem Fernsehen Berichte über die "Achtundsechziger" - die heutige Politikergeneration - erschienen. Der Titel von Spenglers Buch ist zu einem geflügelten Wort geworden, das den Bekanntheitsgrad seines Werkes bei weitem übertrifft. Schade eigentlich, dass... |
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- Wien 1918 (Band 1: Gestalt und Wirklichkeit)
- München 1922 (Band 2: Welthistorische Perspektiven)
- München 1960, Hg. H. Werner (gekürzt)
- München 1972 (dtv, 2 Bände)
- München 1980
- München 1989 (2 Bände)
Buch-Tipp: Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus Ein neuer Blick in die Hintergründe unseres Lebens Richard Sennett, obwohl er ein Soziologe ist, geht zu dem Teil wie ein Volkskundler seine Betrachtung der aktuellen Lebenswelten an. Er vollzieht teilnehmende Beobachtungen und schildert die Ansichten der Menschen mit denen er zu dem Teil viel Zeit verbracht hat. Die neue Betrachtung der Grenzenlosigkeit... |
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